Anwendungsarten

Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt an Möglichkeiten der Verwendung von Heimischen Wildkräutern! 

 

Suchen, Finden, Sammeln, Konservieren und Anwenden! Ein Stück Leben wie in früheren Zeiten? Ich habe für mich entdeckt, dass in einer Zeit, in der Alles im Überfluss vorhanden ist, die Rückbesinnung auf altes Wissen ud dessen Anwendung eine bereichernde, auch sehr schöne Erfahrung ist.

 

Sammeln

Zu Beginn meiner Sammler-Tätigkeit habe ich mich auf einzelne Pflanzen konzentriert. Häufig waren es Pflanzen, die mich aufgrund ihres Wuchses interessiert haben oder die ich aufgrund ihrer Wirkweise gesucht habe. Das war in manchen Fällen sofort von Erfolg gekrönt, wie z.B. bei der Brennessel oder dem Hirtentäschel. Andere Pflanzen, wie z.B den echten Frauenmantel habe ich erst bei einer Wanderung im Harz entdeckt. Nicht alle Pflanzen wachsen an jedem Ort. Bin ich einmal fündig geworden, merke ich mir den Ort, denn die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, die Pflanze dort immer wieder zu finden.

 

Verwenden Sie zum Sammeln luftdurchlässige Baumwolltaschen oder Körbe. Auch Papiertaschen sind geeignet.

 

Bevor Sie sich an das Sammeln von Pflanzenteilen begeben ist es wichtig, einige Regeln zu beachten:

Betrachten Sie Wildkräuter als Geschenk der Natur. Vermeiden Sie es, deren Bestand an deren Standort zu gefährden.

Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie kennen, es gibt giftige Exemplare!

Sammeln Sie nicht an vielbefahrenen Straßen oder Hundelaufstrecken.

Sammeln Sie nicht an Flächen, wo landwirtschaftlich bedingt mit Pestiziden gearbeitet wird.

 

Trocknen

Sind sie mit Ihren Schätzen zu Hause angekommen, sollten sie gleich verarbeitet werden. Das Trocknen sollte in luftigen Räumen geschehen.

 Nach abgeschlossenem Trocknungsprozess wird alles in einem lichtdichten Gefäß mit Deckel  gelagert.

 

 

 

hängend Trocknen

Je nach Trockengut können die Pflanzen gebündelt aufgehängt werden. Bitte stets einen schattigen Ort wählen! Direkte Sonneneinstrahlung schadet meist. Eine Ausnahme bilden Pflanzenteile wie Wurzeln und Samen.

liegend Trocknen

Kleinere Pflanzenteile werden liegend getrocknet. Auch hier empfiehlt es sich, eine luftige Auflage zu wählen. Häufig benutze ich aber auch ein Brett mit einer Papierauflage. Das Trockengut sollten Sie 1 x am Tag wenden.

Empfindliche Pflanzen, wie z.B. das Zinnkraut trocknen Sie am besten sehr luftig liegen.

Samen, hier Brennesselsamen, können gut im Backofen bei ca. 45 Grad Celsius und teils offener Klappe getrocknet werden.

Nach abgeschlossenem Trocknungsprozess wird alles in einem lichtdichten Gefäß mit Deckel  gelagert.

Tee

Heilkräutertee's sind in ihrem Geschmack sehr unterschiedlich. Wer sie nur gesüßt trinken möchte sollte ein wenig Honig verwenden. Sie können auch mit Pflanzen wie Vanille, Zimt o.ä. aromatisieren. Wenn Sie einen gewünschten Effekt erzielen wollen, sollten Sie lose Ware in der Apotheke kaufen (oder selbst Sammeln, wenn diese möglich ist). Teebeutel sind aus unterschiedlichen Gründen für Heilzwecke nicht gut geeignet.

 

Dosierung:

im Regelfall 1 gehäufter Teelöffel getrocknetes Kraut auf 150 ml Wasser

bei frischen Pflanzen nehmen Sie die doppelte Menge

 

Zubereitung:

1. Aufguss:

die Mischung mit kochendem Wasser überbrühen und 3-10 Min ziehen lassen

 

2.Kaltauszug:

die Kräuter werden mit kaltem Wasser angesetzt. Diese Art der Zubereitung wird bei Pflanzen angewendet, die wegen ihrer Schleimstoffe angewendet werden, z.B. Spitzwegerich oder wo die Auslösung von Giftstoffen verhindert werden soll, z.B. Mistel, zarte Blüten wie Malve werden ca. 1-2 Stunden kalt angesetzt, Wurzeln ca. 3-5 Stunden, Mistel ca. 8 Stunden

Der Tee sollte immer frisch zubereitet werden, da die (Anti)Keimbehandlung durch das Abkochen entfällt.

 

3. Abkochen:

Kräuter und Wurzeln deren Bestandteile schwer wasserlöslich sind, werden abgekocht. Dazu wird  alles zerkleinert, in kaltes Wasser gegeben und zum Kochen gebracht, 5-30 Min gekocht und danach abgeseiht. Zinnkraut muss z.B. 30 Min gekocht werden, damit sich die vorhandene Kieselsäure löst.

 

Auszugsöl

Sie verwenden dafür Pflanzenöle aus kontrolliertem biologischem Anbau. Je nach Art der Weiterverwendung können Sie Olivenöl, Sonnenblumenöl, Mandelöl, Sesamöl oder Ähnliches verwenden. In der Anwendung werden die fettlöslichen Bestandteile der Pflanze ausgelöst. Auf 100 ml Öl kommen ca. 10g getrocknete oder 20g frische Krautbestandteile. Das können Blätter, Blüten oder der ganze Stängel sein. Die Pflanzenteile werden in ein durchsichtiges Glasgefäß gegeben und mit Öl bedeckt. Das Glas wird ca. 3 Wochen lang in ein sonniges Fenster gestellt und täglich geschüttelt. Die Pflanzenteile sollten vom Öl bedeckt sein. Danach wird die Mischung durch ein feines Sieb oder Mulltuch gefiltert (nicht ausdrücken) und in dunklen Flaschen gelagert.

 

Tinktur

Für Tinkturen wird höher bis hochprozentiger geschmacksneutraler Alkohol verwendet. Ich verwende meist 38 prozentigen Doppelkorn. Für Tinkturen aus Wurzeln eignen sich auch 70 prozentige Weingeister. Die Bestandteile der Pflanzen sind häufig sehr gut in Alkohol zu lösen. Dadurch ergibt sich eine einfache Konservierungsmöglichkeit. Zum Herstellen der Tinktur werden durchsichtige Glasgefäße verwendet. Diese werden locker mit den entsprechenden Pflanzenteilen gefüllt und mit dem Alkohol aufgefüllt (Verhältnis 1 Teil Pflanzenteil und 5 bis 10 Teile Alkohol). Danach werden die Gefäße verschlossen und täglich geschüttelt. Nach 3 Wochen filtern Sie den Inhalt der Gläser ab und drücken die Pflanzenteile kräftig aus. Die Flüssigkeit wird in dunklen Glasgefäßen gelagert. 

Nach ca. 1 Jahr lässt die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe nach.

 

Pflanzenbrei

Die frischen Pflanzenteile werden (für einen Breiumschlag) in geeigneter Weise zerkleinert. Getrocknete Wurzeln werden pulverisiert und mit heißem Wasser zu einem Brei verarbeitet. Blätter können  mit einem Nudelholz gewalzt werden, bis der Saft austritt oder sie werden kurz übergebrüht. Die Blätter können direkt auf die Haut gelegt werden und ggf. mit einem Tuch abgedeckt werden. Der Brei wird auf ein Mulltuch gestrichen und auf die entsprechenden Hautpartien aufgebracht.

 

Salben und Cremes

Was ist der Unterschied zwischen Salbe und Creme?

 

Salbe enthält nur Fett, kein Wasser. Diese Herstellungsart wird für "Heilsalben" verwendet. Die Haut wird durch den Fettanteil so "vorbereitet", dass die Wirkstoffe tief eindringen können.

 

Herstellung:

Salbe kann einfach hergestellt werden, indem man ein Auszugsöl erwärmt und Bienenwachs darin schmelzen lässt. Auf 150 ml Öl kommen 15 g Bienenwachs.

Ist kein Auszugsöl vorhanden, können 20g frische Kräuter in 150 ml Öl                       (z.B. Sonnenblumenöl) 15 Min. lang erhitzt werden (nicht frittieren!), die Mischung durch ein Sieb gießen und im Topf mit dem Bienenwachs solange erhitzen, bis das Bienenwachs geschmolzen ist. Die Salbe wird in Salbendöschen gegeben und mit einem Tuch abgedeckt, bis sie erkaltet ist. Danach mit dem Deckel verschließen und kühl aufbewahren.  So behandelt hält sich die Salbe ein Jahr. Nun wird die Dose beschriftet. Wichtig ist es, den Inhalt zu benennen und das Herstellungsdatum, ggf. auch den Hersteller.

 

Creme wird aus einem fettigen Teil und einem wässrigen Teil zubereitet, z.B. aus Öl und Tinktur. Damit sich beide Bestandteile verbinden,  benötigen Sie einen Emulgator.

 

Herstellung (beispielweise):

30 ml Auszugsöl

15 g Lanolin anhydrid

4 g Bienenwachs

30 ml Pflanzentinktur

 

Auszugsöl, Lanolin und Bienenwachs werden in einem Glas im Wasserbad erhitzt. Gleichzeitig wird die Tinktur in einem separaten Wasserbad erhitzt. Sind alle Bestandteile geschmolzen, wird die Tinktur unter ständigem Rühren sehr langsam in die fettige Mischung gemischt. Solange Rühren, bis die Mischung auf Handtemperatur abgekühlt ist. Das Rühren ist wichtig, um die fettigen und wässrigen Bestandteile nachhaltig miteinander zu vermischen. Danach in Salbendöschen füllen und verschließen. Wenn wässrige Auszüge beigefügt werden, werden sie gemeinsam mit der (wässrigen) Tinktur erhitzt. Die Creme in Salbendöschen füllen und beschriften.

 

 

Andere Verwendungsarten

Diverse Kräuter werden auch für die Durchführung von Voll-, Dampf- oder Sitzbädern verwendet. Ich gehe auf der entsprechenden Seite darauf ein. 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Marina Schütt